JOHANN JAKOB FROBERGER zum 400. Geburtsjahr

Froberger-Toccata_Titel

 

Sonntag, 18. September, 11:11 Uhr ♦ Olching, KOM, eleven-eleven MusikKultur e.V.

Der Streit zwischen David und Goliath und die Überfahrt des Grafen von Thun über den Rhein ♦ Musik von Johann Jakob Froberger (1616 – 1667) und Johann Kuhnau (1660 – 1722)

… wer die Sachen nit von ihme Herrn Froberger seliger gelernet, unmüglich mit rechter Discretion zuschlagen, wie er sie geschlagen hat …

mit diesen Worten bringt es Herzogin Sibylla von Württemberg (1620-1707) auf den Punkt: Die Claviermusik unseres diesjährigen Jubilars Johann Jakob Froberger (1616-1667) konnte nur gut spielen, wer sie von seiner Handt gelernt, Grif vor Grif.
Um den gebürtigen Stuttgarter, von dem wir kein Portrait kennen, ranken sich viele wahre und erfundene Geschichten: in Rom Schüler von Girolamo Frescobaldi, das ist sicher. War er Bruder im Geiste des in Rom lebenden Universalgelehrten Athanasius Kircher? Wie nah bekannt war er mit Louis Couperin in Paris? Was passierte auf der Überfahrt nach London? Raubten die Piraten Froberger aus? Wo in England mußte er sich als Blasbalgtreter Geld verdienen? In jedem Fall war er Cembalist am Habsburger Kaiserhof Ferdinands III. und vermutlich dessen Privatsekretär. Anders läßt es sich nicht erklären, warum Ferdinands Nachfolger Leopold I. den Vertrag nicht verlängerte. Froberger zog als Privatlehrer der Herzogin Sibylla von Württemberg nach Schloss Héricourt in der württembergischen Grafschaft Montbéliard (Mömpelgard). Dort starb er 1667. Sein Hang zur Melancholie zeigt sich in vielen Musikstücken (Plainte faite à Londres pour passer la Melacholie – Memento Mori Froberger – Meditation faite sur ma mort future … ) und bringt die Werke an bisher nicht dagewesene emotionale Grenzen.

Ich weiss nicht, ob er dem Orden der Tonkünstler oder den anderen Gelehrten mehr Ehre gebracht. Er war gelehrt in der Gottesgelahrtheit, in den Rechten, Beredsamkeit, Dichtkunst, Mathematik, fremden Sprachen und Musik.

Dieses Urteil über Johann Kuhnau (1660-1722) aus der Feder von Johann Christoph Adelung steigert auch bei seiner Musik die Erwartungen: Neben vielen Kantaten gehören seine Musicalische Vorstellung einiger biblischer Historien zu den bekanntesten Werken des Leipziger Thomaskantors und Amtsvorgängers Johann Sebastian Bachs. Jeder dieser Sonaten stellt er einen Text über die alttestamentlichen Begebnisse voraus. Aber auch während der Musik schildern Texteinwürfe die dramatische Handlung. So wird der von David gegen Goliath geschleuderte Stein musikalisch nachgezeichnet. Es ist also gar nicht zu kühn, zu behaupten, Kuhnaus biblische Sonaten seinen bereits Beispiele von Programmmusik.

Peter Pius Irl, vielen bekannt als sonore „Stimme” in vielen Sendungen, Hörspielen und features des BR, in der letzten Olchinger Barocknacht 2015 und als Schauspieler, nicht zuletzt in der genialen Münchner Familinensaga Die Grandauers und ihre Zeit  von Willy Purucker, die dann als TV-Serie Löwengrube in den Jahren 1987 bis 1991 zu sehen war, wird Kuhnaus Texte sprechen und auch das Geheimnis um die Überfahrt des Grafen von Thun über den Rhein klären helfen.
Michael Eberth „erzählt” Frobergrs und Kuhnaus Geschichten und Abenteuer am Cembalo

Programm:

Johann Jakob Froberger (1616-1667)
Toccata in C FbWV 109
Lamentation, faite sur la très douloreuse Mort de Sa Majesté Impériale, Ferdinand le Troisième, et se joüe lentement avec discretion FbWV 633

Toccata in a FbWV 112
Meditation faite sur ma mort future, la quelle se joüe lentement avec discretion a Paris 1 May Anno 1660 (Memento Mori Froberger) – Gigue – Courante – Sarabande FbWV 611

Johann Kuhnau (1660-1722)
Der todtkranke und wieder gesunde Hiskias
(Suonata quarte aus Musicalische Vorstellungen einiger Biblischer Historien/in 6. Sonaten…, Leipzig 1700)

Johann Jakob Froberger (1616-1667)
Allemande faite en passant le Rhin dans une barque en grand peril, la quelle se joue lentement â la discretion – Courante – Sarabande – Gigue FbWV 627

Johann Kuhnau (1660-1722)
Der Streit zwischen David und Goliath
(Suonata prima aus Musicalische Vorstellungen einiger Biblischer Historien/in 6. Sonaten …, Leipzig 1700)

Goût français

Couperin_Prelude in d_facsSonntag, 12. Juni, 11:11 Uhr ♦ KOM Olching, eleven-eleven MusikKultur e.V. ♦
Samstag, 18. Juni, 18 Uhr ♦ Felicitassal, Maximilianmuseum, Augsburg
Goût françaisVirtuose Cembalomusik an Europäischen Fürstenhöfen ♦ Werke von Henry Dumont, Louis Couperin, Johann Jakob Froberger, Christian Ritter, Georg Muffat, Jean Baptiste Forqueray, Pancrace Royer und Armand-Louis Couperin. Michael Eberth, Cembalo

Die französische Cembalomusik ist der Lautenmusik des 16. und 17. Jahrhunderts entsprungen in einer Zeit in der sich das Cembalo in der höfischen Gesellschaft immer mehr etablierte. Geschmackliches Raffinement, vereint mit eleganter Satzweise und effektvoller Klanglichkeit ließ einen reichen Schatz an vielfältiger Charakteristik entstehen. In knappen Piécen werden Musikerkollegen (Couperin, Forqueray, Leclair), ein Harlekin, der Pariser Finanzminister La Popliniére oder gar der „Götterchef“ Jupiter portraitiert.

Zum Goût français gehörte es auch, sich dann und wann italienisch zu geben. Stücke mit den Titeln Air italienne, Pavane italienne sowie musikalische „Portraits“ französischer Musiker, die den italienischen Stil pflegten sind keine Seltenheit. Regelrechte Glaubenskriege, ob denn die französische oder italienische Oper besser sei sind in der Querelle des Bouffons und im „Piccinnistenstreit“ nach der Mitte des 18. Jahrhunderts dokumentiert. Aber schon im 17. Jahrhundert nährte diese Kontroverse die Entwicklung der Musik. François Couperin zog sich auf intelligente Weise aus der Affaire: In seiner Sammlung Nouveaux Concerts von 1724 huldigte er dem großen Franzosen Jean Baptiste Lully (bezeichnender Weise ein gebürtiger Italiener!) mit der L’Apothéose de Lully, dem großen Italiener Arcangelo Corelli mit der L’Apothéose de Corelli.