Passio

Gegeiselter2Abgesagt! Donnerstag, 2. April 2020, 19:30 Uhr ♦ Las Vegas (Nevada, USA) Doc Rando Recital Hall, University of Nevada Las Vegas (UNLV)

Abgesagt! Freitag, 3. April 2020, 19:30 Uhr ♦ St. George (Utah, USA), Eccles Concert Hall, Dixie State University St. George

Abgesagt! Samstag, 4. April 2020, 15 Uhr ♦ St. George (Utah, USA), Eccles Concert Hall, Dixie State University St. George

Abgesagt! Sonntag, 5. April 2020, 20 Uhr ♦ Calgary (Kanada), Eckhardt-Gramatté Hall, Rozsa Centre University of Calgary

PassioEnsemble Phoenix München: Joel Frederiksen, Bass, Erzlaute und Leitung; Eva Saladin, Barockvioline; Chrsitoph Eglhuber, Theorbe; Michael Eberth, Orgel

In Lectulo per noctes [Das Konzert ist abgesagt!!]

SchützABGESAGT!!! Samstag, 28.März 2020, 19:30 UhrAugsburg, Felicitas-SaalIn Lectulo per noctes – Geistliche Konzerte von Heinrich Schütz, Alessandro Grandi, Anna Maria Fogliani, Johann Martin Caesar u. a.Robert Crowe – Sopran, Andreas Pehl – Alt; Ensemble Dulcisonantes (Markus Bartholomé und Wolfgang Zahn – Tenordulcian, Angelika Radowitz – Bassdulcian und Leitung), Michael Eberth – Orgelweitere Info hier

Programm:

Anonymus (17.Jh.)
Tota pulchra es amica mea (für 3 Dulciane)

Francesco Cavalli (1602 – 1672)
O quam suavis (für Altus und Basso continuo)

Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525 – 1594)
Pulchra es, amica mea (für Blockflöte, Tenordulcian, Bassdulcian und Orgel)

Johann Martin Caesar (ca. 1590 – 1667)
Cantate Domino (für Blockflöte, Sopran, Alt, Tenordulcian und Orgel)
(aus Musicale Melodie, München 1621, den Brüdern Georg, Hieronymus, Maximilian und Hans Fugger gewidmet)

Anna Maria Fogliani (1583 – 1663)
Veni in hortum meum
(für Sopran und Altus und Basso continuo)

Anonymus (17. Jhdt.)
A Divine Song on the Passion of our SAVIOUR (für Sopran und Basso continuo)
(aus Harmonia Sacra II, von John Playford, 1693)

Heinrich Scheidemann (1596 – 1663)
Praeambulum in d für Orgel

Heinrich Schütz (1585 – 1672)
In lectulo per noctes SWV 272 (für Sopran, Alt, 3 Dulciane und Orgel)
(aus Symphoniae sacrae I, op.6, Venedig, 1629)

PAUSE

John Church (1674 – 1741)
A divine Hymn (für Sopran und Basso continuo)
(aus Harmonia Sacra II, von John Playford, 1703)

Giovanni Gabrieli (1555 – 1612)
Alleluia, quando iam emersit a. 6.voci (für Orgel)
(aus der Turiner Tabulatur, Augsburg? um 1637)

Heinrich Schütz (1585 – 1672)
Was hast Du verwirket (für Altus und Basso continuo)

Dario Castello (17. Jhdt.)
Sonata seconda (für Blockflöte und Basso continuo)

Anna Maria Fogliani (1583 – 1663)
Surge amica mea (für Canto e Alto und Basso continuo)

Johann Martin Caesar (ca. 1590 – 1667)
Gabriel Angelus (für Sopran, Alt, zwei Tenordulciane, Bassdulcian und Orgel)
(aus Musicale Melodie, München 1621, den Brüdern Georg, Hieronymus, Maximilian und Hans Fugger gewidmet)

Anonymus (um 1630)
Toccata Octaui toni (für Orgel)
(aus der Turiner Tabulatur, Augsburg? um 1637)

Heinrich Schütz (1585 – 1672)
Invenerunt me custodes civitatis SWV 273 (für Sopran, Alt, 3 Dulciane und Orgel)
(aus Symphoniae sacrae I, op.6, Venedig, 1629)

Lamentationen des Propheten Jeremia

Jeremiah_lamenting_2Sonntag, 8. März 2020, 19 Uhr Ingolstadt, Barocksaal des Stadtmuseums, Auf der Schanz 45 ♦ Lamentationen des Propheten Jeremia von Joseph Hector Fiocco, Werke für Violoncello von Joseph Marie Dall’Abaco und Jean-Baptiste Barrière, Orgelwerke von Abraham van den KerckhovenSusanne Simenec, Sopran, Michail Uryvaev, Anna Zimre, Matthias Schick, Barockcello, Michael Eberth, Orgel

In den Klageliedern, einem Buch des alten Testaments beweint der Prophet Jeremia die Zerstörung der Stadt Jerusalem und des Tempels (586 v. Chr.) durch die Soldaten des Nebukadnezar, des Königs von Babel. Die Klagelieder bestehen aus 5 Büchern: 4 Lamentationen und einem Oratio-Gebet. Die ersten drei gehören seit dem frühen Mittelalter zur Liturgie der Karwoche, in der die Zerstörung Jerusalems als Sinnbild für das Leiden Christi beklagt wird. Die Klagen Jeremias haben mit ihrer direkten und hochemotionalen Sprache viele Komponisten der Renaissance und des Barock zu Vertonungen inspiriert. Die Texte der Klagelieder wurden im Versmaß der hebräischen Totenklage Qinot (קינינות) verfasst, die ersten vier als Akrostichon, einer Form, bei der die ersten Buchstaben der Strophen dem Verlauf des Alphabets entsprechen. Dieses Akrostichon ist ein Ausdruck der grenzenlosen allumfassenden Trauer, vergleichbar mit dem deutschen „von A bis Z“. Außerdem hatte diese Alphabetisierung der Versanfänge möglicherweise die Funktion der Gedächtnishilfe. Bei der Übertragung ins Lateinische sind die originalen Versformen verloren gegangen, die Lettern (Aleph, Beth, Gymel, etc…) aber erhalten geblieben. Diese wurden von den Komponisten immer mitvertont, und oft in mellismatischer Form, als eine Art ausgeschriebene Verzierung.

Die Rezitation der Lesungen wird mit den lateinischen Incipites: „De Lamentatione Jeremiae Prophetae“ = „Von der Wehklage des Propheten Jeremia“ oder „Incipit Oratio Jeremiae Prophetae“ =„Es beginnt die Rede des Propheten Jeremia“ eingeleitet und endet jeweils mit: „Jerusalem, Jerusalem, convertere ad Dominum Deum tuum“ = „Jerusalem, Jerusalem, wende dich zu deinem Herrn und Gott“. Die Vertonungen der Lamenationen (Leçons de ténèbres oder Lezioni) waren im 17. und 18. Jahrhundert außerordentlich beliebt und wurden oft auch außerhalb der Passionszeit und des kirchlichen Rahmens konzertant aufgeführt. Die Lamentationen, die heute zu hören sind, enstanden in Antwerpen 1732, wo J. H. Fiocco als Violinist und Chorleiter an der Kathedrale Unserer Lieben Frau 1732- 1737 wirkte.
Eine Besonderheit ist die Besetzung: zu der für monodische Lamentationen üblichen Continuobegleitung fügt der Komponist zwei konzertierende Celli hinzu. Wobei die erste Lamenation für Sopran, 2 Celli und Basso continuo komponiert ist, die zweite für Sopran, ein Cello und B.c., und die dritte wird lediglich vom Continuo begleitet. Diese Reduzierung der Besetzung ergibt den vom Komponisten gewollten Effekt und ist ein Hinweis dafür, dass eine Aufführung der drei Stücke nacheinander en bloc vom Komponisten erwünscht ist.

Die in der von uns verwendeten Ausgabe der Fiocco – Lamentationen und in unserem Programmheft abgedruckte deutsche Übersetzung entstammt der Augsburger Bibelausgabe von 1746. Die lateinisch – deutsche Ausgabe wurde vom Wessobrunner Benediktiner Thomas Aquinus Erhard (1675 – 1743) editiert und mehrfach herausgegeben. Die Übersetzung der Klagelieder fasziniert durch ihre direkte und unverblümte Sprache, die mit ihrer starken Ausdruckskraft ein Beispiel hochstehender barocker Dichtung darstellt.

(Text: Michail Uryvaev; Quellen: J. H. Fiocco Lamentationen, herausgegeben von Prof. Dr. Rudolf Ewerhart in Edmund Bieler Verlag Köln, 1962;
De lamentatione Jeremiae Prophetae Aspekte zur Entwicklung und Verbreitung der Lamentation im 18. Jahrhundert“ von Dr. Heike Blumenberg, UdK Berlin 2008;
Wikipedia (u.a.)