Referenzen

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Der Meister am Cembalo
Michael Eberth spielte im Schaezlerpalais

(Von Oliver Wolff , Augsburger Allgemeine vom 25. 9. 2018)

Eine musikalische Reise zurück in die Vergangenheit? Das konnten am Sonntag Besucher im Rokokofestsaal des Schaezlerpalais beim ersten Konzert nach der Sommerpause des „Forum Alte Musik Augsburg“ erleben. Anlässlich des 350. Geburtstags des französischen Komponisten François Couperin interpretierte Michael Eberth dessen Werke auf einem Cembalo historischer Bauart.
Die Veranstaltung trug den Titel: „L’Art de toucher le clavecin“ – Die Kunst das Cembalo zu spielen. So heißt auch Couperins theoretische Cembaloschule, welche bis heute als Leitfaden für historische Aufführungspraxis auf dem Cembalo gilt. Es ist Eberth, so erzählt er im Gespräch, eine Herzensangelegenheit, beim Publikum Neugier auf französische Barockmusik zu wecken, da man sich in Deutschland in der Vergangenheit lange Zeit von französischer Musik distanzierte. Obwohl sich Johann Sebastian Bach von französischen Komponisten beeinflussen ließ, blieben diese eher unbekannt.
Eberth, ein Spezialist für authentische Spielweise historischer Tasteninstrumente, überzeugte mit musikalischem Feingespür und handwerklicher Perfektion. Obwohl das Cembalo durch mechanisches Anreißen der Saiten kaum ein dynamisches Spiel zulässt, schaffte der Solist durch facettenreiche Artikulation und belebende Agogik die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich zu ziehen. Mit Virtuosität im kontrapunktischen Spiel und historischer Sorgfalt in der Interpretation zeigte Eberth die charakteristischen Besonderheiten des musikalischen Hochbarock.
Darüber hinaus erklärte er die programmatischen Hintergründe der affektvollen Barockmusik. Das Publikum honorierte die unbeschwerte und elegante Präsentation mit anhaltendem Applaus. Wirklich eine würdige Geburtstagsfeier.

Passio – Augsburger Allgemeine:

… Alternierend dazu spielte Organist Michael Eberth, der in vier Werken die Renaissance bis zur Schwelle zu Johann Sebastian Bach durchschritt. Das galt auch für die Registrierung, die sich vom gedeckten, warm-nasalen Klang in dem „Praeambulum super c“ aus dem Buxheimer Orgelbuch (15. Jh.) bis zur barocken Pracht in J. C. Kerlls Toccata in d entfaltete.

Mit weichem Spiel, farblichem Raffinement und einer ausgewogen-rechten Gewichtung von sprudelnd umspühlenden Ornament-Kapriolen und dem säulengleich manifestierten Choral gelang dem Spezialisten für Alte Musik eine meisterlich eindrückliche Renaissance, als würden die Entstehungszeiten in dieser kurzen Stunde wieder lebendig.

Johann Sebastian Bach, Goldbergvariationen DAS ZENTRUM Radstadt

Michael Eberth spielt eines der angeblich schwersten Stücke, die Bach je komponiert hat (Stefan Heßbrüggen, CD-Klassikführer) mit einer Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, dass man meinen möchte, er spiele das Stück im Schlaf. Nur die Spiegelung auf dem Cembalodeckel beweist, dass Eberth alleine und zweihändig spielt. Sonst wäre vielleicht der Verdacht aufgekommen, es wären mindestens 4 Hände am Werk.
Schwer vorzustellen, dass der besagte Graf bei diesen Klängen den Schlaf gefunden hat. Die Nacht wurde ihm sicher verkürzt, denn beim lauschen dieser Cembalo-Klänge vergeht die Zeit wie im Flug. Doch auch im Publikum ließen sich nur wenige dazu hinreißen, die Augen zu schließen und von Goldberg zu träumen. Wie schon Heßbrüggen sagte: „Ich werde immer wacher von den Goldberg Variationen“.

Harpsichordist Eberth sparkles with singular style – Lincoln, NE Journal

… The one German work on the program, Wilhelm Friedemann Bach’s „Fantasia in E Minor“ was the most arresting given its bravura gestures, which demonstrated the virtuosity of both composer and performer … the work caused the audience to not only sit up but do so on the edge of their seats.

Musik aus der Zeit des Paracelsus – Claviorganum von Joshua Pock (1591), St. Peter Salzburg
[Michael Eberth] … stellte Beispiele aus dem Buxheimer Orgelbuch, aus dem Basler Tabulaturbuch des Bonifacius Amerbach, aus dem Mulliner Book, aus dem Tabulaturbuch des Jacob Paix und Musik aus Bologna, Venedig und Neapel im 16. Jahrhundert vor: Chansons und Liedsätze sowie Tanzstücke, die ein lebendiges Bild der Musikkultur der Paracelsus-Zeit zu zeichnen imstande waren. Wissenschaft traf sich mit frischer Musizierpraxis, der Informationsgehalt war ebenso aufschlussreich wie eine unakademische, gleichwohl fundierte Spiel-Lust.

Johann Sebastian Bach, Clavier-Übung Theil 1 – Barocksaal Kloster Benediktbeuern, Musiksommer im Loisachtal

… Eberth beeindruckte mit makelloser technischer Souveränität und stilistischer Kompetenz; alles war im Lot. Hier gelang die Synthese von Klarheit, Präzision und Transparenz einerseits und andererseits einer natürlich atmenden, eloquenten, emotional anrührenden Klangrede. … Dies war eine klassisch schöne, aber dennoch ausdrucksstarke, eindringliche Darstellung, mit sensible gestalteten Phrasierungen, feinen Rubati und sicher gestalteter Ornamentik, trefflich gestimmt und mit einer bemerkenswerten Plastizität der polyphonen Strukturen.

Johann Sebastian Bach, Goldbergvariationen – Schlossbergkonzerte Romanshorn (CH)

… Artikulation und Phrasierung, die modifizierten Tempi und die grosse Variationsbreite des Anschlags dienten durchwegs der klaren Zeichnung der vielfältigen Verzierungen und der kontrapunktischen Linien sowie der Durchhörbarkeit des Klangbildes …

Johann Sebastian Bach, Clavier-Übung Dritter Theil – Orgel von Bernhard Edskes nach historischen Vorbildern – Pfarrkirche St. Peter und Paul, Mittenwald, Musiksommer im Loisachtal

… Michael Eberth zeigte sich als überlegener Meister der Tasten, Pedale und Register, bot eine ebenso klare und präzise wie differenzierte Interpretation der monumentalen „Klavierübung“, stellte die polyphonen Strukturen und musikalischen Charaktere der Fantasien, Fugen und Inventionen kraftvoll, plastisch und doch auch sehr klangsensibel dar…

… Unbeschränkte Bewunderung gebührt Michael Eberth für seine konsequent-diszipliniert-souveräne Interpretation von Bachs „Orgelmesse“, die es verdient hätte, als Tondokument von Modellcharakter aufgezeichnet zu werden. … So gespielt wurde hörbar, warum die Fachwelt in Entzücken gerät, wenn über die neue Orgel gesprochen wird. …

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